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Day 9 |
Jul 21, 2011

Vor der Bäreninsel, Norwegen

By Astrid Guenther-Weigl, Biologin und Tierärztin

Koordianten: 74° 28’ 25 B, 18° 59’ 16 L
Wetter: Bedeckt, windig, leichter Nieselregen
Lufttemperatur: 7,3°C
Luftdruck: 1002 hPa
Wind: 44,7 km/h

Glücklicherweise hatte der Wind in der Nacht etwas nachgelassen, so dass er nun nicht mehr mit 70 km/h sondern nur noch mit 45 km/h über uns hinwegfegte.

Leider war er aber immer noch zu stark um an der Südspitze der Bäreninsel eine Zodiac Tour durchzuführen. Und so hatte unser Expeditionsleiter Robin bereits am Abend Kontakt mit der meteorologischen Station auf der Insel aufgenommen um eine eventuelle Anlandung zu sondieren. Wir hatten Glück. Obwohl normalerweise der Zugang für Kreuzfahrtschiffe nicht möglich ist, wurde uns ein Landgang genehmigt und um 7:30 Uhr ankerte die Silver Explorer vor der Nordküste der Bäreninsel.

Bjǿrnǿya, auf Deutsch Bäreninsel, ist die südlichste Insel Svalbards und liegt etwa auf halber Strecke zwischen dem norwegischen Festland und dem Südkap von Spitzbergen. Die kleine Insel (178 km2) steigt nahezu überall mit senkrechten Felswänden aus der Barentsee hervor und nur im Norden, wo ein sanft hügeliges Plateau sich etwas 30-40 m aus dem Wasser erhebt, gibt es sandige oder kieselige Buchten in der eine Anlandung möglich ist. Spektakulär ist die Südküste. Hier stürzen die Klippen bis zu 400 m tief in das Meer bieten viel Platz für eine der beeindruckende Vogelwelt.

Es nieselte, als ich mit dem kompletten Expeditionsteam zur Insel fuhr. Keiner von uns hatte bisher die Möglichkeit gehabt hier anzulanden und so waren wir alle sehr gespannt, was wir vorfinden würden. Eine kleine Pier ermöglichte uns eine „trockene“ Anlandung. Nicht ganz trocken, denn die Insel verschwand im Dunst des Nieselregens der zunehmend stärker wurde.

Etwa 30 m über uns lag auf einem Plateau die Wetterstation. Bestehend aus mehreren rot gestrichenen Holzhäusern und jeder Menge Sendemasten. Wetteraufzeichnungen gibt es hier mit Unterbrechung seit den 20iger Jahren. Heute arbeitet die Wetterstation aber auch als Funkstation für den See-und Luftverkehr.

Im Eiltempo erkundete ich die nähere Umgebung der Anlandestelle. Es gab einen kleinen Shop mit Poststelle und Stempelmöglichkeiten neben der Wetterstation, ein Freilichtmuseum und auf der anderen Seite der Bucht breite Sandstrände, jede Menge Vögel und verwitterte Walrossknochen.

Um 8:30 Uhr begann die Ausbootung der Gäste. Ich wanderte mit meiner Gruppe zunächst Richtung Wetterstation. Entlang des Freilichtmuseums, welches mit dem Hammerfesthuset an die ersten norwegischen Überwinterer 1823/1824 erinnert. Wir besuchten den Shop, ließen unserer Pässe stempeln und betrachteten mit gemischten Gefühlen die Huskies, die angekettet vor der Station lagen. Peter unser Historiker gab Informationen zur Geschichte der Insel und schon eilten wir auf die spärlich bewachsenen Hügel westlich der Bucht.

Küstenseeschwalben brüteten hier und flogen aufgeregt empor. Rosenwurz, eine rein arktische Pflanze bildete große Kissen mit gelborangen Blüten, Schmarotzerraubmöwen, Dreizehenmöwen und Eismöwen zogen ihre Kreise über uns und am Ufer pickten Meeresstrandläufer auf der Suche nach kleinen Krebsen im Sand.

Eine phantastische Aussicht offenbarte sich uns als wir die Hügel überquert hatten. Breite feinsandige Stände, die flach abfielen, türkisblaues Wasser, große Brecher die Richtung Küste rollten und sogar die Sonne ließ sich etwas blicken. Dies muss ein Paradies für Walrosse gewesen sein bevor die ersten Entdecker kamen. Was mit ihnen passiert war, davon zeugten die großen Mengen verwitterter Knochen die überall verstreut in der Tundra über den Stränden lagen.

Viel zu schnell mussten wir die schöne Insel wieder verlassen. Kurz nach 11:00 Uhr nahm die Silver Explorer Kurs auf Tromsǿ. Der Wind hatte aufgefrischt auf 65 km/h und die etwa 3 m hohen Wellen brachten unser Schiff doch leicht in Bewegung. Im Restaurant wurden die Tische angekettet und ziemlich schwankend balancierten wir unsere Teller beim Mittagessen zu Tisch. Dennoch war das Restaurant gut besucht und auch zum letzten Recap um 17:00 Uhr erschienen zahlreiche Gäste.

Christian stellte eine Studie vor zur Auswirkung des Tourismus auf das fragile Ökosystem der Arktis und Antarktis. Ich berichtete über die Walrossjagd auf der Bäreninsel und ließ ein letztes Mal ein paar Vogelbilder Revue passieren. Uli erklärte die Strömungssysteme und ihre Messung in der Arktis und Hans-Peter hatte ein ziemlich schweres Pflanzenquiz, welches glücklicherweise erfolgreich absolviert wurde.

Knappe 1-1/2 Stunden später eröffnete Kapitän Alexander Golubev seine Abschiedscocktailparty. Eine wunderbare Reise ging ihrem Ende entgegen und ein phantastisches Dinner beendete einen weiteren ereignisreichen Tag auf der Silver Explorer.

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