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Day 6 |
Jul 18, 2011

St. Jonsfjord und Alkhornet

By Uli Kunz – Meeresbiologe und Zodiac-Fahrer

Position: 78°09’ N, 13°30’ E
Wetter: Bewölkt, am Nachmittag Sonnenschein
Lufttemperatur: 6 °C
Wassertemperatur: 4 °C
Luftdruck: 1010 hPa
Windgeschwindigkeit: 38 km/h

Um 8 Uhr morgens sprang ich mit dem Rest des Expeditionsteams in die Schlauchboote, um im St. Jonsfjord an Land zu gehen. Eine ausgedehnte Wanderung auf der Seitenmoräne des Gaffelgletschers stand auf unserem Plan und ich hatte als einer der eingeteilten “Bärenwächter” die Aufgabe, ein großes Gebiet zu überwachen und nach auftauchenden Eisbären Ausschau zu halten. Schon bei der Ankunft am Strand wurden die ersten Lagen Expeditionskleidung abgelegt, um den steilen Aufstieg anzugehen, denn es war völlig windstill und dadurch außerordentlich warm. Über einige Schneefelder und wunderschön bewachsene Tundraflächen ging der von uns mit Flaggen markierte Pfad auf die Seitenmoräne des Gletschers und von dort aus weit nach hinten ins Tal. Unsere Gäste konnten sich nun auch einmal für eine weite Strecke die Beine vertreten und nahmen die Wanderung in Angriff. Von dem höchsten Punkt konnten wir einen Großteil des St. Jonsfjords einsehen und auch zwei Bartrobben beobachten, die sich auf einer Eisscholle ausruhten. Auf der Tundra lagen zahlreiche Überreste von Rentiergeweihen, allerdings ließ sich keines der “Enthörnten” in der Nähe blicken... Aber man soll den Tag ja nicht vor dem Abend verfluchen...

Wir hatten zu unserem nächsten Ziel 35 Seemeilen zurückzulegen, ausreichend Zeit für eine Vorbesprechung des nächsten Tages und ein Vortrag im Theater. Nachdem meine Kollegen schon die Geschichte Spitzbergens, die Vogelwelt der Arktis und die Biologie des Eisbärs näher beleuchtet hatten, war es nun meine Aufgabe, die Zuhörer in die fantastische Unterwasserwelt mitzunehmen und einen Tauchgang durch die “Legenden der Meere” zu machen. Viele Menschen sind immer wieder erstaunt, wenn ich über einige Besonderheiten der Meereskunde spreche und ihnen beispielsweise Kaltwasserkorallen präsentiere, die in strahlend weißer Pracht auch in der Arktis vorkommen und entlang des Kontinentalschelfs von Europa und Afrika das wohl größte Korallenriff der Welt formen. Vergessen Sie das große Barriereriff von Australien, es gibt noch wesentlich größere!!

Die Tauchfahrt in einem virtuellen Tauchboot ging weiter von der Entdeckung des legendären Quastenflossers und der gewaltigen Riesenkalmare über die Eroberung des tiefsten Punkts im Pazifik in einer kleinen Stahlkugel und den Anpassungen von gefräßigen Anglerfischen bis ins flache Wasser des Korallenriffs, wo Papageienfische am vorderen Ende die harten Kalkskelette der Korallen abnagen und am anderen Ende fein gemahlenen Kalk ausscheiden...: Haben Sie gewusst, dass manche prächtigen, weißen Sandstrände in den Tropen zu einem Großteil aus Papageinfisch-”Kot” bestehen? Nein? Kommen Sie doch beim nächsten Mal einfach mit!

Von Müdigkeit jedoch keine Spur nach dem Vortrag, sogleich ging es wieder in die Zodiacs, um in kurzer Entfernung das wunderschöne Kap um Alkhornet zu erkunden. Die Sonne schien warm, das Gras leuchtete grün, tausende Vögel kreischten um die Wette... ein herrlicher Nachmittag für einen weiteren Spaziergang durch die arktische Tundra! Von einem höhergelegenen Plateau, das aus zerklüfteten, von Eis zersplitterten Felsen bestand, hatten wir einen fantastischen Blick auf die darunter gelegene Ebene, die in der kurzen Vegetationsperiode im Sommer von Spitzbergen in allen Farben zu leuchten scheint. Schon nach kurzer Zeit hatten wir die Nutznießer dieser vielfältigen Flora mit dem Fernglas ausgemacht: Ungefähr 10 Rentiere zogen kauend über die Tundra und ließen sich auch von unserer langsamen Annäherung nicht aus der Fressruhe bringen.

Ein wirklich aufregender Tag mit fantastischen Wanderungen, die für jeden ein besonderes Erlebnis boten! Unsere Gäste sind ja weiterhin für das Wetter verantwortlich, aber mittlerweile habe ich keine Bedenken, dass die nächsten Tage sonnig und wolkenlos werden...

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